„Digitalisierung“ lautet der Fokus des 18. Afrika Film Festivals Köln 2020. Aber was war eigentlich bei den vorherigen Festivals los? Welche Schwerpunkte haben wir behandelt und warum lohnt es sich, diese noch einmal unter die Lupe zu nehmen? Diese Fragen beantworten wir euch im AFFK Throwback!

SISTERS IN AFRICAN CINEMA

Frauen vor und hinter der Kamera haben im afrikanischen Filmschaffen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie wenden ihre cineastischen Blicke nicht nur auf die Rolle und die Probleme von Frauen im Alltag, sondern auch auf Frauen im Widerstand gegen patriarchale Strukturen, Ungerechtigkeiten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen sowie auf Frauen in Politik und Kultur. So kam die 14. Ausgabe des Afrika Film Festivals 2016 mit einer geballten Ladung Frauenpower daher. Der Fokus des Festivals lautete „Sisters in African Cinema“ .

Damit wollte FilmInitiativ Köln das aktuelle Filmschaffen afrikanischer Frauen vorstellen und eurozentrischen Blicken auf Frauen in Afrika Perspektiven von Frauen aus Afrika entgegensetzen. Die passende musikalische Einstimmung zum inhaltlichen Schwerpunkt des 14. Afrika Film Festivals lieferte die Frauenband SISTERS. Darüber hinaus übernahm mit Mallence Bart-Williams auch in diesem Jahr wieder eine Frau die Schirmherrschaft – gemeinsam mit ihrem Bruder Patrice. Bei der Festivaleröffnung präsentierten sie ihren mit Jugendlichen in Sierra Leone gedrehten Kurzspielfilm THE RISING OF THE SON.

FILMAUSWAHL MIT TATKRÄFTIGER, WEIBLICHER UNTERSTÜTZUNG

Fünf Beraterinnen aus verschiedenen Ländern unterstützen FilmInitiativ bei der Auswahl von aktuellen Produktionen afrikanischer Regisseurinnen für die SISTERS-Filmtournee: die tunesische Regisseurin Nadia El Fani, die kenianische Regisseurin Judy Nini Kibinge, die US-amerikanische Autorin und Betreiberin des Blogs „African Women in Cinema“ Beti Ellerson, die französisch-senegalesische Spielfilmregisseurin Dyana Gaye, und die afrodeutsche Autorin, Regisseurin und Bildmischerin Nancy Mac Granaky-Quaye.

Dank der Empfehlungen der Beraterinnen und zusätzlicher Entdeckungen auf internationalen Afrika Film Festivals (in Ouagadougou, Tunis, Durban, Leuven, Tarifa etc.) kam eine Vorschlagsliste mit 80 Filmtiteln zusammen. Daraus wurden für den Fokus 33 Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilme aus 13 Ländern Afrikas und der Diaspora ausgewählt, die beispielhaft für die geographische, inhaltliche und ästhetische Bandbreite des aktuellen Filmschaffens von Frauen afrikanischer Herkunft standen.

So lief als Prolog zum Festival im Institut français Köln der international erfolgreiche, aber hierzulande weitgehend unbe-kannte Animationsfilm AYA DE YOPOUGON (AYA OF YOP CITY) über eine selbstbewusste junge Frau in Abidjan.

Der Eröffnungsfilm im Filmforum À PEINE J’OUVRE LES YEUX erzählt von der Rock-Sängerin Farah, die mit ihren politischen Texten gegen die repressive tunesische Gesellschaft zur Zeit der Ben Ali-Diktatur rebelliert. Der Film wurde beim 14. Afrika Film Festival Köln in Anwesenheit der tunesischen Regisseurin Leyla Bouzid gezeigt und gewann bereits Dutzende Preise. Einen weiteren sollte er 2016 beim 14. Afrika Film Festival Köln erlangen. Dort wurde er mit dem Publikumspreis in der Kategorie „Best Feature Film“ ausgezeichnet.

Von aktuellen Angriffen auf Freiheitsrechte handelt auch der Film LE CHALLAT DE TUNIS. Darin geht es um einen Motorradfahrer, der ihm despektierlich erscheinende Frauen im Vorbeifahren mit dem Rasiermesser attackiert. Die südafrikanische Regisseurin Sara Blecher war gleich mit zwei Spielfilmen im SISTERS-Programm vertreten. AYANDA erzählt von einer 21-Jährigen, die nach dem Tod ihres Vaters dessen Autowerkstatt übernommen hat und sich in einer Männerdomäne durchsetzen muss. Blechers zweiter Film DIS EK, ANNA zeigt auf sensible Weise die verhängnisvollen Folgen von sexuellem Missbrauch.

Die Südafrikanerin Carey McKenzie präsentierte mit COLD HARBOUR einen Thriller mit Starbesetzung, in dem es um illegale Händler und korrupte Polizisten geht. Die junge Filmemacherin Françoise Ellong aus Kamerun stelltein Köln ihren Spielfilm W.A.K.A vor. Der Titel steht für „A Woman acts for her Kid Adam“ („Eine Frau kämpft für ihren Sohn Adam“), und Hauptprotagonistin ist eine alleinerziehende Mutter, die für das Wohl ihres Sohnes ihr Leben aufs Spiel setzt.

Aus Anlass des SISTERS-Fokus konnte FilmInitiativ 2016 mit Maïmouna N’Diaye zudem noch die Darstellerin einladen, die beim panafrikanischen Filmfestival FESPACO im Jahr 2015 als beste Schauspielerin Afrikas ausgezeichnet wurde. Sie lebt in Ouagadougou und erhielt den Preis für ihre Hauptrolle in L‘OEIL DU CYCLONE. Der Spielfilm erinnert daran, dass in vielen von Bürgerkriegen gezeichneten Ländern Zehntausende ehemalige Kindersoldaten ohne Aufarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen leben.

Die Dokumentarfilme des SISTERS-Fokus erzählten von einer senegalesischen Straßenfrisörin in Casablanca (AJI-BI, LES FEMMES DE L‘HORLOGE), von lebenslustigen Migrantinnen in französischen Banlieues (LES GRACIEUSES), vom späten Aufbruch marokkanischer Einwanderinnen zur Erkundung der europäischen Wahlheimat ihrer Männer (PATIENCE, PATIENCE, T‘IRAS AU PARADIS !) und vom tabubeladenen Verhältnis nordafrikanischer Männer zu Zärtlichkeit und Sexualität (VERS LA TENDRESSE).

Die nach Köln eingeladene Regisseurin Wendy Bashi kehrte für ihren Film RUMEURS DU LAC an Stätten ihrer Kindheit zurück und zeichnete an den Ufern des Kivu-Sees im Ostkongo traditionelle Legenden und aktuelle Kriegserinnerungen von Fischern auf.

Bei einer Podiumsdiskussion erörterten Leyla Bouzid (Tunesien), Françoise Ellong (Kamerun), Judy Nini Kibinge (Kenia) und Sara Blecher (Südafrika) die Situation von Frauen im heutigen afrikanischen Filmschaffen. Durch die Diskussion führte Beti Ellerson, die auch den einleitenden Text zum SISTERS-Fokus schrieb, den es im Programmheft zum 14. Afrika Film Festival zu lesen gibt. Als eine ihrer Interviewpartnerinnen nahm am Filmgespräch auch die kongolesische Regisseurin Monique Mbeka Phoba teil. Von ihr war der Kurzspielfilm SOEUR OYO zu sehen, der in der Zeit der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo spielt.

Der abschließende Dokumentarfilm LA RÉVOLUTION DES FEMMES: UN SIÈCLE DE FÉMINISME ARABE lud dazu ein, mit der tunesischen Regisseurin Feriel Ben Mahmoud über die Geschichte und die aktuellen Positionen der Frauenbewegungen in Nordafrika zu diskutieren. Der Film gewann zudem den Publikumspreis in der Kategorie „Best Documentary“.