„Digitalisierung“ lautet der Fokus des 18. Afrika Film Festivals Köln 2020. Bevor wir euch diesen Schwerpunkt jedoch genauer vorstellen, wollen wir mit AFFK Throwback  eine kleine Reise zu unseren vergangenen Festivals machen, deren Schwerpunkte auch heute nicht an Wichtigkeit verloren haben.

AFFK THROWBACK: AFRICAN DIASPORA CINEMA (2015)

Trotz Corona-Krise und nach wie vor großer Ungewissheit darüber wie es weitergeht, soll das 18. Afrika Film Festival Köln vom 17. bis zum 27. September 2020 unter dem Schwerpunkt der „Digitalisierung“ stattfinden. Aber was war eigentlich bei den vorherigen Festivals los? Welche Schwerpunkte haben wir behandelt und warum lohnt es sich, diese noch einmal unter die Lupe zu nehmen? Diese Fragen beantworten wir euch im AFFK Throwback!

Den Anfang wollen wir mit dem „Afrika Film Festival Köln“ aus dem Jahr 2015 machen, das unter dem Fokus African Diaspora Cinema stattfand – und im Grunde genommen gar kein „richtiges“ Afrika Film Festival war. Zwar hat FilmInitiativ Köln ab 1992 unter dem Titel „Jenseits von Europa“ manchmal sogar zweimal im Jahr Filme aus Afrika gezeigt, doch dann fand ab 1996 das Afrika Film Festival „nur“ alle zwei Jahre statt. In den Jahren zwischen den Festivals wurden themen- bzw. länderspezifische Reihen („Africa Film Specials“) angeboten, so z. B. zu „50 Jahre Unabhängigkeit am Beispiel Ghanas“, zu den Revolten in Nordafrika und 2015 eben zum African Diaspora Cinema. Erst ab 2016 fand das das Afrika Film Festival Köln unter diesem Namen in jährlichem Turnus statt. African Diaspora Cinema ist allerdings so ein spannendes und wichtiges Thema, dass wir es euch in unserem Throwback nicht vorenthalten wollen. 

Unter dem Motto „African Diaspora Cinema“ wurden 2015 42 Filme präsentiert und 28 Gäste aus fünf Kontinenten nach Köln eingeladen. Die African Diaspora Cinema-Reihe wurde von der Schirmfrau Dyana Gaye eröffnet. Sie ist Regisseurin aus Paris mit familiären Beziehungen in den Senegal. 2002 war sie zum ersten Mal zu Gast beim Afrika Film Festival „Jenseits von Europa“. Seitdem hat FilmInitiativ mehrere ihrer Kurzfilme gezeigt, so auch ihren ersten Kurzspielfilm UNE FEMME POUR SOULEYMANE aus dem Jahr 1999, der 2015  noch einmal in Köln zusehen war.

AFRICAN DIASPORA – WAS IST DAS EIGENTLICH?

Der Begriff „Diaspora“ stammt ursprünglich aus der von Verfolgung und Vertreibung geprägten jüdischen Geschichte. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er auch im Zusammenhang mit der Flucht von Armenier*innen ins Exil verwendet, bevor er in den letzten Jahrzehnten von afrikanischen Communities in aller Welt aufgegriffen wurde. Sozialwissenschaftler haben vier gemeinsame Merkmale der verschiedenen Diasporas herausgearbeitet: die oftmals gewaltsame, durch ökonomische oder politische Unterdrückung erzwungene Vertreibung aus den Herkunftsländern; den Erhalt einer kollektiven Identität über Generationen und große Entfernungen hinweg; das Zugehörigkeitsgefühl zu Gruppen gleicher Herkunft in anderen Teilen der Welt und schließlich die verbreitete Zukunftsvision, irgendwann wieder in das Land der Vorfahren zurückkehren zu können – weshalb auch politische (Befreiungs-)Prozesse in den Herkunftsländern aus der Ferne verfolgt und unterstützt werden. Genau dies sind auch die Hauptthemen in Filmen aus der afrikanischen Diaspora. Regisseure aus der Diaspora waren auch für die Entwicklung einer unabhängigen Kinematographie in Afrika selbst von großer Bedeutung. Denn bis zur Unabhängigkeit der meisten sub-saharischen Länder ab Ende der 1950er-Jahre konnten „Einheimische“ dort keine Filme drehen. In manchen Kolonien war „Indigenen“ schon der Besitz von Kameras verboten. Die Kolonialherren fürchteten die Macht der Bilder, die ihre Verbrechen hätten dokumentieren und Unterstützung für die Befreiungsbewegungen hätten mobilisieren können. Es gab zwar Kinos, aber darin führten Kolonialbeamte und Missionare streng zensierte Filme vor, um Afrikaner*innen für Kriegsdienste zu rekrutieren und „schwarze Heiden“ zum Christentum zu bekehren.

Als Geburtsstunde des unabhängigen afrikanischen Filmschaffens gilt deshalb die Produktion des Kurzspielfilms AFRIQUE SUR SEINE, den Paulin Soumanou Vieyra aus Benin und Mamadou Sarr aus dem Senegal 1955 nur in Paris realisieren konnten. Darin reflektieren afrikanische Intellektuelle und Künstler in der französischen Hauptstadt vor laufender Kamera über Fragen von Identität und nationaler Zugehörigkeit.

Auch der senegalesische Schriftstelle rund Regisseur Ousmane Sembène, ein weiterer Pionier des afrikanischen Film-schaffens, realisierte seinen ersten abendfüllenden Spielfilm LA NOIRE DE …(1966) in der französischen Diaspora. Er verarbeitete darin Erfahrungen, die er selbst während des Zweiten Weltkriegs als Kolonialsoldat bei der Befreiung Europas und danach als Hafenarbeiter in Marseille gemacht hatte. Der Film erzählt in Form eines inneren Monologs von einer jungen Afrikanerin, die eine Stelle als Kindermädchen bei einer französischen Familie antritt und dadurch in verzweifelte Isolation gerät.

Bis heute sind Folgen von Flucht und Migration so wie die Auseinandersetzung mit alltäglichem Rassismus in vielen Ländern zentrale Themen von Diaspora-Filmen. Weitere wichtige und bei der Filmreihe „African Diaspora Cinema“ präsentierte Filme findet ihr im Programmheft zum „African Diaspora Cinema„.

SCHWARZE FILMEMACHER*INNEN IN DEUTSCHLAND

Einen Schwerpunkt der Diaspora-Reihe in Köln bildeten 2015 Filme von schwarzen Regisseur*innen aus Deutschland. Diese Programmsektion war in Zusammenarbeit mit der afrodeutschen Filmemacherin Nancy Mac Granaky-Quaye entwickelt worden, die später auch Teammitglied von FilmInitiativ wurde. 2015 stellte sie ihren Kurzspielfilm BEENTO über die Geschichte ihrer ghanaisch-deutschen Eltern in der DDR vor sowie den zusammen mit FilmInitiativ-Mitarbeiterin und Autorin Esther Donkor realisierten Film KNIFFEL, den ihr euch hier ansehen könnt.

An der Programmplanung waren zudem die Journalistin Nadina Schwarzbeck sowie Joyce Maria Muvunyi und Ann-Kathrine Sebastião vom African Diaspora e.V. beteiligt. Im Ergebnis konnten 2015 Produktionen von sieben schwarzen Filmemacher*innen aus Deutschland vorgestellt werden. Dazu gehörte der Dokumentarfilm UND WIR WAREN DEUTSCHE von John A. Kantara über die Jugendfreundschaft von Hans-Jürgen Massaquoi und Ralph Giordano. Beide wurden während der NS-Zeit in Hamburg verfolgt – der eine wegen seiner Hautfarbe, der andere wegen seiner jüdischen Herkunft. Die in Berlin lebende Regisseurin Mo Asumang wird ihre Dokumentation DIE ARIER, für die sie u.a. Neonazis in Deutschland und Mitglieder des Ku-Klux-Klans in den USA interviewte, in einer Schulvorführung und einer Abendveranstaltung vorstellen. Von dem Blogger Tarik Tesfu aus Köln sind einige witzig-ironische Videos gegen Rassismus und Homophobie aus der Serie TARIKS GENDERKRISE zu sehen.

Der in Kopenhagen aufgewachsene Regisseur Jide Tom Akinleminu präsentierte 2015 seinen Dokumentarfilm PORTRAIT OF A LONE FARMER . Darin folgt er  seinem nigerianischen Vater mit der Kamera in dessen Heimatdorf, um zu erfahren, warum dieser die Rückkehr nach Nigeria einem Leben in der dänischen Diaspora vorgezogen hat.

Unter dem Titel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ fand zudem eine Podiumsdiskussion über SCHWARZE DEUTSCHE IN MEDIEN UND GESELLSCHAFT moderiert von Nadina Schwarzbeck, statt. Als TeilnehmerInnen waren die Schauspielerin Marie Enganemben, die Autorin Esther Donkor, Tahir Della, der auch im Bundesvorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland mitarbeitet, sowie die Kabarettisten und Autoren Sami Omar („Ich bin kein Luftballon“) und Marius Jung eingeladen. Die Diskussion gibt es hier zu sehen:

Neben Live Music, einer Ausstellung und guten Essen hatte African Diaspora Cinema in Jahr 2015 noch allerhand mehr zu bieten. Das Programmheft zur Filmreihe findet ihr unter diesem Link.